Kurz gesagt: Die stärkste Stelle der Wölbung gehört 5 bis 8 Zentimeter über den Beckenkamm, also in die schmalste Stelle der Taille. Sie soll 3 bis 5 Zentimeter nach vorn stehen, der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel 100 bis 110 Grad betragen. Stellen Sie zuerst die Sitzhöhe ein, dann die Sitztiefe, danach erst die Stütze.
Es ist kurz vor 16 Uhr. Sie schieben den Stuhl zurück, drehen sich vom Monitor weg und legen beide Hände in die Taille. Der Rücken meldet sich dort, wo die Lehne den ganzen Tag nichts berührt hat: In der Lücke von zwei bis vier Zentimetern zwischen unterem Rücken und Rückenlehne.
Fast jeder Bürostuhl der Mittelklasse hat eine verstellbare Lordosenstütze, ab Werk steht sie meist zu tief und zu flach. Dieser Artikel führt Sie in fünf nummerierten Schritten durch Höhe, Tiefe und Lehnenwinkel und nennt zu jedem Wert einen Bezugspunkt am eigenen Körper.
Was macht eine Lordosenstütze am Bürostuhl überhaupt?
Eine Lordosenstütze ist eine Vorwölbung in der Rückenlehne, die den Hohlraum zwischen der Lendenwirbelsäule und der Lehne ausfüllt. Sie hält die natürliche Krümmung der unteren fünf Wirbel und begrenzt das Zurückkippen des Beckens. Ohne diese Auflage trägt die Rumpfmuskulatur die Haltearbeit allein.
Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln, von L1 bis L5 durchnummeriert. Im Stehen bilden sie eine nach vorn gerichtete Krümmung, die Lordose. Im Sitzen flacht diese Krümmung ab, sobald das Becken nach hinten rollt.
Der Beckenkamm ist die tastbare Oberkante des Beckenknochens seitlich in der Taille. Er ist der einzige Bezugspunkt, den Sie ohne Aufstehen zuverlässig finden, und alle Höhenangaben hier gehen von ihm aus.
Wie hoch und wie tief gehört die Wölbung in den Rücken?
Der höchste Punkt der Wölbung gehört 5 bis 8 Zentimeter über den Beckenkamm und soll 3 bis 5 Zentimeter nach vorn stehen. Bei den meisten Erwachsenen liegt er damit auf Höhe des dritten Lendenwirbels. Steht die Stütze tiefer, drückt sie gegen das Kreuzbein.
Das Kreuzbein ist der keilförmige Knochen unterhalb der Lendenwirbelsäule, an dem das Becken ansetzt. Es hat keine bewegliche Krümmung, die eine Stütze aufnehmen könnte, und meldet Druck nach wenigen Minuten als harten Punkt.
Tasten Sie im Sitzen seitlich die Oberkante des Beckenknochens und legen Sie darüber eine flache Hand quer. Deren Oberkante markiert die Zielhöhe, meist rund 18 bis 24 Zentimeter über der Sitzfläche. Bei 1,60 Metern Körpergröße liegt der Wert eher bei 18, bei 1,90 Metern eher bei 24.
Für die Tiefe gilt ein zweiter Prüfpunkt: Atmen Sie tief aus und lassen Sie die Schultern sinken. Bleibt der Kontakt zur Stütze erhalten, stimmt die Vorwölbung. Verschwindet er, fehlen ein bis zwei Zentimeter.
Welchen Winkel sollte die Rückenlehne haben?
Ein Öffnungswinkel von 100 bis 110 Grad zwischen Oberkörper und Oberschenkel hält die Lendenwirbelsäule in ihrer natürlichen Krümmung. Der starre 90-Grad-Sitz zieht das Becken nach hinten und flacht die Lendenkurve ab. Bei 100 bis 110 Grad übernimmt die Lehne einen Teil des Oberkörpergewichts.
Kippen Sie die Lehne von 100 auf 115 Grad, wandert die Stütze relativ zum Rücken nach unten. Richten Sie die Höhe daher im meistgenutzten Winkel aus.
Eine Synchronmechanik koppelt Lehne und Sitzfläche, üblich ist ein Kippverhältnis von 2:1. Stellen Sie den Gegendruck so ein, dass Sie sich anlehnen können, ohne durchzufallen. Stand Juli 2026 sitzt dieser Regler bei den meisten Modellen als Drehrad unter der Sitzfläche.
In welcher Reihenfolge stellen Sie den Stuhl ein?
Stellen Sie in dieser Reihenfolge ein: Sitzhöhe, Sitztiefe, Lehnenwinkel, Höhe der Wölbung, Tiefe der Wölbung. Jeder Schritt verändert die Ausgangslage für den nächsten. Wer mit der Lordosenstütze beginnt, muss sie nach der Sitzhöhe ohnehin wieder verschieben. Planen Sie fünf bis zehn Minuten ein.
- Sitzhöhe einstellen: Setzen Sie sich mit beiden Füßen flach auf den Boden. Stellen Sie die Sitzfläche so hoch, dass der Kniewinkel zwischen 90 und 100 Grad liegt.
- Sitztiefe einstellen: Rutschen Sie nach hinten, bis der Rücken die Lehne berührt. Zwischen Kniekehle und Sitzkante bleiben 3 bis 5 Zentimeter frei, etwa zwei bis drei Finger.
- Lehnenwinkel einstellen: Öffnen Sie den Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel auf 100 bis 110 Grad. Stellen Sie den Gegendruck so ein, dass die Lehne Ihrem Rücken folgt.
- Höhe der Wölbung einstellen: Tasten Sie seitlich den Beckenkamm. Schieben Sie die Lordosenstütze so, dass ihr höchster Punkt 5 bis 8 Zentimeter darüber steht.
- Tiefe der Wölbung einstellen: Erhöhen Sie die Vorwölbung schrittweise auf 3 bis 5 Zentimeter, bis der Kontakt beim Ausatmen erhalten bleibt und kein einzelner Druckpunkt entsteht.
| Einstellwert | Bezugspunkt am Körper | Richtwert | Prüfzeichen |
|---|---|---|---|
| Sitzhöhe | Knie und Hüfte | Kniewinkel 90 bis 100 Grad | Beide Füße stehen flach am Boden |
| Sitztiefe | Kniekehle | 3 bis 5 cm zur Sitzkante | Der Rücken erreicht die Lehne ohne Rutschen |
| Lehnenwinkel | Oberkörper zu Oberschenkel | 100 bis 110 Grad | Die Schultern stehen über dem Becken |
| Höhe der Wölbung | Beckenkamm | 5 bis 8 cm darüber | Kontakt in der Taille, nicht am Rippenbogen |
| Tiefe der Wölbung | Lendenwirbelsäule | 3 bis 5 cm Vorwölbung | Kontakt bleibt beim Ausatmen erhalten |
Worauf es bei einer nachgerüsteten Stütze ankommt
Eine nachgerüstete Stütze muss drei Kriterien erfüllen: Sie muss sich in der Höhe frei verschieben lassen, sie darf beim Zurücklehnen nicht wegrutschen, und sie muss unter Körperwärme formstabil bleiben. Weiche Faserfüllungen verlieren nach wenigen Wochen genau die Vorwölbung, wegen der man sie gekauft hat.
Memory Foam, also viskoelastischer Schaum, reagiert auf Wärme und Gewicht und stellt sich in der Entlastung wieder auf. Anders als eine Faserfüllung behält er die Kontur, weil die Form aus dem Zuschnitt stammt und nicht aus dem Füllvolumen.
Das zweite Kriterium ist die Fixierung. Ohne Befestigung wandert jede Auflage bei jedem Aufstehen nach unten. Ein elastischer Gurt um die Lehne hält die eingestellte Höhe.
Das Ergovo Ergonomische Rückenkissen erfüllt beide Kriterien: Der Kern besteht aus Memory Foam mit fester Vorwölbung, der elastische Befestigungsgurt läuft um die Lehne und hält die Höhe. Es füllt den Abstand zwischen unterem Rücken und Rückenlehne und passt an Bürostuhl wie Autositz. Erhältlich in Schwarz und Grau.
Ergovo Ergonomisches Rückenkissen mit Befestigungsgurt
Wann die beste Einstellung nicht genügt
Keine Lordosenstütze ersetzt Bewegung. Wer acht Stunden perfekt eingestellt sitzt, sitzt trotzdem acht Stunden. Die Belastung im unteren Rücken sinkt vor allem durch Positionswechsel, nicht durch Millimeterarbeit an der Lehne. Ein Telefonat im Gehen oder eine Treppe zwischendurch wirkt stärker als jede Feinjustierung.
Manchmal bewirkt eine zusätzliche Auflage das Gegenteil. Bei Stühlen mit kräftiger, fest verbauter Wölbung überlagern sich zwei Vorwölbungen und der Rumpf wird nach vorn gedrückt.
Suchen Sie eine ärztliche Praxis auf, wenn Schmerzen ins Bein ausstrahlen, wenn Taubheitsgefühle oder Kraftverlust auftreten, wenn die Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall begonnen haben oder wenn sie über mehrere Wochen anhalten. Eine Sitzeinstellung ist keine Diagnose und klärt keine Ursache.
- Sie rutschen im Lauf des Vormittags immer wieder auf die Sitzkante.
- Der Kontakt zur Lehne verschwindet, sobald Sie tippen statt lesen.
- Sie spüren einen harten Punkt statt einer flächigen Auflage.
- Die Füße erreichen den Boden nur mit den Fußballen.
Häufige Fragen
Wie hoch muss die Lordosenstütze am Bürostuhl sitzen?
Der höchste Punkt der Wölbung gehört 5 bis 8 Zentimeter über den Beckenkamm, also in die schmalste Stelle der Taille. Über der Sitzfläche liegt das je nach Körpergröße bei rund 18 bis 24 Zentimetern. Tasten Sie den Beckenkamm seitlich und schieben Sie die Stütze eine flache Handbreit darüber.
Ist eine Lordosenstütze bei jedem Bürostuhl sinnvoll?
Sinnvoll ist sie überall dort, wo zwischen unterem Rücken und Lehne ein sichtbarer Spalt bleibt. Bei Stühlen mit fest eingebauter, unpassend hoher Wölbung bringt eine zusätzliche Auflage wenig, weil sich zwei Vorwölbungen überlagern. Prüfen Sie zuerst, ob sich die vorhandene Stütze in Höhe und Tiefe verstellen lässt.
Wie lange dauert die Gewöhnung an eine neue Sitzeinstellung?
Viele Nutzer beschreiben eine Umgewöhnung von sieben bis vierzehn Arbeitstagen. In den ersten Tagen fühlt sich der offenere Sitzwinkel ungewohnt an, weil die Rumpfmuskulatur anders arbeitet. Beginnen Sie mit zwei bis drei Stunden am Tag. Bleibt nach zwei Wochen ein Druckpunkt, steht die Wölbung zu hoch oder zu tief.
Verstellbare Stütze im Stuhl oder separates Kissen, was ist besser?
Eine integrierte, in Höhe und Tiefe verstellbare Stütze ist die sauberere Lösung, weil sie keine Sitztiefe kostet. Ein separates Kissen ist die bessere Wahl bei fester Lehne, bei Netzlehnen ohne Wölbung und wenn Sie dieselbe Stütze an mehreren Arbeitsplätzen brauchen. Beides gleichzeitig führt fast immer zur Überstützung.
Wann sollte ich mit Rückenbeschwerden ärztlichen Rat einholen?
Suchen Sie eine ärztliche Praxis auf, wenn Schmerzen ins Bein ausstrahlen, wenn Taubheitsgefühle oder Kraftverlust auftreten, wenn die Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall begonnen haben oder wenn sie über mehrere Wochen anhalten. Eine Sitzeinstellung ist keine Diagnose und klärt keine Ursache.
Fazit
Die Reihenfolge entscheidet: erst Sitzhöhe, dann Sitztiefe, dann Lehnenwinkel, danach Höhe und Tiefe der Wölbung. Fünf bis acht Zentimeter über dem Beckenkamm, drei bis fünf Zentimeter Vorwölbung, 100 bis 110 Grad Lehnenwinkel: Mit diesen drei Werten ist der größte Teil der Arbeit erledigt.
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